Gesegnete und frohe Ostern!

Mit diesem liebevoll von den Mitarbeiter:innen und Gästen unserer Tagespflege gestalteten Osterbrunnen wünschen wir Ihnen gesegnete und frohmachende Ostertage!

Hier finden Sie die Predigt von Pfarrer Ralf Horndasch zum Ostersonntag, 4. April 2021.

Predigt von Ostersonntag 4. April 2021

Predigt zum Ostersonntag – 4. April 2021
Diakonissenanstalt Stuttgart

Von Pfarrer Ralf Horndasch

Heute begegnet uns am Ostersonntag erstmals seit der Änderung der Perikopenordnung ein Text, der zunächst nichts mit Ostern zu tun hat – ein Text des Ersten Testaments, aus dem 2. Buch Mose.

2. Mose 14,8-14.19-23.28-30a, 15,20f

Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren mit erhobener Hand ausgezogen.  Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als sie am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten. Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?  Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.  Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher. Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich. Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer.

Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.

Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.

Liebe Gemeinde, liebe Hörerinnen und Hörer,

„Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben“ – das könnte auch ein Ruf am Ostermorgen sein. Was Mirjam hier nach der wundersamen Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten singt und ruft, das tun Christinnen und Christen seit Jahrhunderten, wenn sie an Ostern einander „Der Herr ist auferstanden!“ zurufen oder wenn sie vom Osterwunder in Liedern singen.

„Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschicht […]. Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn, sie zürnt und kann nichts machen“, hat Paul Gerhardt gedichtet.

Mit diesem Text aus dem 2. Buch Mose werden wir unmittelbar hineingenommen in das große Wunder der Befreiung. Das erinnern und feiern unsere jüdischen Glaubensgeschwister alljährlich am Pessachfest. Pessach war vor einer Woche; da wurde genau daran erinnert. Gott handelt und befreit. Er rettet in unvorstellbarer Weise aus der Bedrängnis. Das Wasser macht das, was Wasser eigentlich nicht machen kann: Es türmt sich auf. Es teilt sich. Normalerweise fließt Wasser zusammen. Die Exodusgeschichte erzählt den Triumph Gottes über die Herrschaft des Todes. Die Errettung am Schilfmeer, das Überleben der Verfolgten, die Vernichtung des Todesherrschers, der verfolgt.

Pessach und Ostern waren schon immer eng miteinander verbunden. Jesus starb am Pessachfest. Viele Texte der frühen Christ:innen bringen Ostern ganz nah an die Befreiung aus Ägypten heran.

Das Grab ist leer. So hören wir an Ostern. Unvorstellbar. Auch das ist ein Wunder. Gott macht das.

Was in der Bibel erzählt wird, sind Rettungsgeschichten. Immer und immer wieder werden Rettungs- und Befreiungsgeschichten erzählt. Und in allen Geschichten, die erzählt werden, wird gesagt: Gott ist bei seinen Menschen. Das erlebten die Israeliten damals. Der Engel ist ein Zeichen dafür. Und die Wolkensäule.

Und auch am Grab Jesu steht ein Engel und sagt: Fürchtet euch nicht.
Egal wie wir Menschen leben, egal wie oft wir versagen und scheitern, Gott ist da. Genau das sollen wir hören jetzt am Ostersonntag. Zugleich gibt es um uns herum auch solche Wassermassen, die uns bedrohen. Oder wir fühlen uns verfolgt und eingeengt wie damals die Menschen durch die ägyptischen Herren.

Mit welcher Kraft und Wucht erleben wir immer noch all das, was Corona mit uns und dieser Welt macht! Es ist so bedrohlich. Ein Ende ist kaum abzusehen. Und vor das Bild des sich teilenden Meeres damals schiebt sich für mich auch das Bild des Mittelmeers. Überfüllte Schlauchboote, verängstigte, schreiende Männer, Frauen und Kinder. Und hoffentlich ein Boot, das die Menschen aufnimmt und an das sichere Land bringt.

Gerettet! – Das ist die Botschaft von Ostern. Gerettet! Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Der Tod hat ein Ende. Das Leben beginnt und es soll nicht aufhören. Ich kann es vielleicht nicht begreifen. Ich kann nur staunen. Ich kann nur loben. Wo Menschen gerettet werden, erfahren sie die Liebe Gottes, der sie rettet.

An Jesu Leben lese ich diese Liebe ab.  Da ist die Heilung des blinden Mannes oder des Gelähmten. Da holt Jesus Menschen aus ihrer sozialen Isolation und ihrer Diskriminierung heraus. Ja, Jesus stillt den Sturm und macht viele Menschen satt. Und am Ende sagen die Menschen, denen er begegnet ist: Gerettet! Gott sei Lob und Dank!
Und in der Auferstehung Jesu vom Tod werden wir gerettet vor dem ewigen Tod.

Natürlich sterben wir alle. Das kann uns Menschen weiter auch Angst bereiten. Das tut weh. Der Tod bricht immer wieder ins Leben hinein wie eine große Wasserflut.

Aber an Ostern sollen wir hören: Fürchtet euch nicht! Ihr braucht keine Angst zu haben. Ja, davon will Gott uns befreien, von der Angst! Die Auferstehung Jesu sagt uns: Der Tod ist nicht ewig. Der Tod ist nicht das Letzte. Wer stirbt, ist bei Gott. Denn Gott rettet. Gott rettet im Leben. Gott rettet aus dem Tod.

In vielen Bildern redet die Bibel davon. Hier im Buch Exodus sind es der Engel und die Wolke, die von Gottes Gegenwart zeugen. Und dann gibt es die große Verheißung, dass wir Gott einmal von Angesicht zu Angesicht sehen werden, im himmlischen Jerusalem. Gott wird alles in allem sein. Ostern ist der Anfang der neuen Schöpfung. Das Ziel ist der neue Himmel und die neue Erde. Dann wird das wahr: „Er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein […], und der Tod wird nicht mehr sein.“ (Offenbarung 21,3f)

Das sind alles Bilder. So wird versucht zu beschreiben, was man nicht beschreiben kann. Ostern versagen die Bilder und die Worte.
Aber wir brauchen diese Bilder und diese Worte. Wir brauchen sie in einer Welt, die uns eben immer wieder so Angst macht. Wir hoffen, dass diese Welt nicht mehr allzu lang unter der tödlichen Bedrohung durch ein Virus lebt.

Wir brauchen die Botschaft von Ostern in einer Welt, in der so viele Menschen auch ganz real unter den realen Todesherrschern leben und das Ende der Schreckensherrschaft herbeisehnen.
Wir brauchen die Botschaft von Ostern in einer Welt, deren Ressourcen weiter ausgebeutet werden und wo Profit weiter vor dem Schutz unseres Klimas steht.

In diese Welt sollen wir die Osterbotschaft glaubhaft hineinrufen und sollen, wie es Christoph Blumhardt gesagt hat, „Protestleute gegen den Tod“ sein.
So lädt uns Mirjam heute ein, Ross und Reiter zu benennen in unserer Welt. Und unser Osterlied zu singen von den Spuren Gottes in dieser Welt. Wir sollen singen vom dem Gott, der unsere Wege mitgeht und uns durchs Leben trägt.

Amen.