Impuls: Ganz Ohr sein

Verschiedene Gesichter

Wenn Menschen einander etwas erzählen, dann tut es dem, der erzählt, gut, wenn der oder die andere auch wirklich zuhört. Ja, es tut gut, wenn mein Gegenüber „ganz Ohr“ ist, wie man auch sagt.

Auch in engen Beziehungen von Menschen kann es vorkommen, dass man einander nicht mit voller Aufmerksamkeit zuhört. Dann, wenn der andere immer wieder dasselbe erzählt oder wenn ich eben mit dem Kopf ganz woanders bin. Das verletzt. Das tut weh.

Wo ein anderer mir aber sein Ohr leiht und ganz Ohr ist, ist das etwas Heilsames, da kann ich aufatmen und das, was mir auf dem Herzen liegt, loswerden.

Zurzeit müssen alle Menschen beim Einkaufen und in Bahnen und Bussen Masken tragen. Und viele tun es auch in anderen Bereichen.

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass bei solchen Masken der Mund bedeckt ist und nicht mehr zu sehen ist? Aber die Ohren und auch die Augen weiter sichtbar sind? Eine Chance also, Ohren und Augen noch einmal besonders wertzuschätzen. Vielleicht auch eine Gelegenheit, weniger zu reden und mehr wahrzunehmen und zu hören.

Eine Chance, „ganz Ohr“ zu werden.

Im biblischen Buch der Sprüche werden Ohren und Augen wertgeschätzt und sie werden als Geschenk Gottes gesehen.

„Ein hörend Ohr und sehend Auge, die macht beider der Herr.“
Sprüche 20, 12

Wenn ich also meinen Mund das nächste Mal wieder mit einem Mundschutz bedecke, kann ich zugleich Gott bitten, dass er mir ein hörendes Ohr und sehende Augen schenken möge.

Das kann ich mit einem stillen Gebet tun oder mit den Worten eines Gesangs vom Weltgebetstag der Frauen 1992, der sich in unserem Gesangbuch findet.

Öffne meine Ohren, Heiliger Geist, damit ich deine Botschaft höre.
Öffne meine Augen, Heiliger Geist, damit ich die Schönheit der Schöpfung sehe.
EG 577, 1 und 2

Probieren Sie es aus! Erzählen Sie einander auch mit Maske, was Ihnen wichtig ist. Und sind Sie ganz Ohr, was Ihnen ein Mensch erzählt!

Bleiben Sie behütet!
Ihr

Ralf Horndasch
Direktor