„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“

Man könnte diesen Satz von Gertrude Stein immer weiter so schreiben und lesen. Ohne Anfang und Ende … Aber manche von Ihnen würden sich dabei fragen: „Was soll das?“
Da muss doch noch etwas folgen! Vielleicht eine Information über Rosen, über ihre Herkunft, Pflege, Blütezeit. Oder eine schöne Rosengeschichte …

Doch nichts davon. Ein einfacher Satz, der gebetsmühlenartig wiederholt:
„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“. Dabei ist es, als würden wir unaufhörlich vor dieser Königin der Blumen stehen, sie betrachten und uns ohne Pause ganz langsam um sie herumdrehen und dabei nicht den Blick von ihr wenden.

So ganz anders klingen da die Worte der betagten Dame, als wir über die Mühen des Alters sprechen: „Manchmal habe ich das Gefühl, dass alles sinnlos ist. Ich kann für niemanden mehr etwas tun. Im Gegenteil: Ich brauche nur noch Unterstützung. Wozu bin ich denn noch da? Was hat mein Leben denn noch für einen Wert?“

Was würde wohl die Rose darauf antworten, wenn sie sprechen könnte?

Vielleicht: Es ist gut, dass Du da bist, auch wenn Du in Deinem Alter jetzt nichts Verwertbares mehr leisten kannst. Das hast Du in Deinem Leben oft genug getan. In Wirklichkeit aber kommt es darauf nicht an.

Denn dass Du lebst, kannst Du Dir nicht verdienen. Nicht durch noch so viel Geschäftigkeit. Du bist da, weil Du geliebt bist von Gott. Einfach so. So, wie Du jetzt gerade bist – wie Du warst und wie Du sein wirst. Du bist da, weil er in Dir lebt. Er, der Dein Leben will. Du bist da, weil er in Dir sichtbar werden will. Und das nicht nur dann, wenn Du etwas leisten und arbeiten kannst. Nein, auch in Deiner Schwäche, in Deiner Bedürftigkeit, Deiner Sehnsucht nach Zuwendung, Nähe und Gemeinschaft. Auch in Deinem Leiden.

Denn das ist ja der tiefe Sinn unseres Lebens: durchlässig zu sein für den, von dem wir kommen und zu dem wir gehen. In unserem Arbeiten und Ruhen, in unserem Reden und Schweigen, in unserer Kraft und in unserer Schwäche.

„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“, so drückt der Apostel Paulus das aus (1. Korinther 15,10). Und ein bekanntes neues Kirchenlied macht uns deshalb Mut, jeden neuen Tag zu wagen:

„Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte;
bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst …
Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen;
geh in seinem Frieden, was auch immer du tust.“ (EG 543)

„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ – einfach, weil sie gewollt ist in ihrem Wachsen, Blühen und Vergehen ...

Ihre Pfarrerin Dorothee Bay-Schwenzer

Frau Bay-Schwenzer ist Pfarrerin an der Evangelischen Kirchengemeinde Möhringen und Fasanenhof und Seelsorgerin am Pflegezentrum Bethanien. Der Impuls ist ein Vorababdruck aus der neuen Ausgabe der Hauszeitung „Bethanien-Bote“, die Ende Juli erscheint.